Hugenotten

Geschichtlicher Hintergrund


Die französischen Protestanten wurden wurden nach einem verstümmelten Wort für Eidgenossen (französisch huguenots) in Deutschland Hugenotten genannt.

König Heinrich IV. erließ 1598 das Edikt von Nantes, das den damals in Frankreich lebenden etwa 250 000 protestantischen Familien Religionsfreiheit gewährte.

1685 hob Ludwig XIV. das Edikt von Nantes auf und erließ dabei unter anderem folgende Verordnungen :
  • alle protestantischen Kirchen sind unverzüglich niederzureißen
  • der Gottesdienst ist verboten
  • die Geistlichen haben binnen 14 Tagen Frankreich zu verlassen
  • die protestantischen Schulen sind sofort aufzuheben
  • die Kinder sind katholisch zu taufen
  • die Auswanderung ist bei Galeerenstrafe für die Männer und Klosterhaft für die Frauen verboten.
Obwohl Ludwig XIV. das Land an den Grenzen abriegeln ließ, setzte eine große Flucht ein. Der Flüchtlingsstrom ging in alle europäische Länder, aber auch nach Amerika, Kapland oder Niederländisch-Indien.

Hugenotten in Deutschland

Nach Deutschland kamen ca. 44 000 Hugenotten. Davon gingen nach
  • Brandenburg-Preußen ca. 20 000
  • Hessen-Kassel ca. 3 800
  • Rhein-Main-Gebiet ca. 3 400
  • Kurpfalz mit Zweibrücken ca. 3 400
  • Franken ca. 3 200
  • Württemberg ca. 3 000
  • Hansestädte ca. 1 500
  • Niedersachsen ca. 1 500
Für Deutschland kam der Zustrom gerade zur richtigen Zeit. Der dreißigjährige Krieg hatte Deutschland fürchterlich verwüstet und entvölkert. Deswegen waren Siedler willkommen. Dies erkannt vor allem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, der die Flüchtlinge nach Brandenburg einlud und ihnen viele Vorrechte einräume, die im Edikt von Potsdam vom 29.10.1685 festgehalten wurden. Viele andere deutsche Fürsten folgten dem dem Beispiel des Großen Kurfürsten, so dass vielerorts in Deutschland hugenottische Siedlungen entstanden.

Hugenotten im Rhein-Main-Gebiet und Friedrichsdorf/Taunus

Seit 1685 bemühten sich auch der Landgraf Friedrich II von Hessen-Homburg und der Fürst von Nassau-Usingen mit offenen Briefen um die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen (Hugenotten, Waldenser) und sagten Ihnen Privilegien zu wie z.B. zehnjährige Abgabenfreiheit, billige oder kostenlose Bauplätze und Baumaterial, freie und öffentliche Religionsausübung.

Flüchtlinge wurden auch in (Bad) Homburg-Neustadt, Dornholzhausen (Waldensersiedlung) und Friedrichsdorf angesiedelt. Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg soll gesagt haben : "Ich werde lieber meine Silbergeräte verkaufen als diesen armen Leuten das Obdach zu versagen."

1687 wurden den Hugenotten mit einem Privileg bei einer Ansiedlung Vergünstigungen angeboten, worauf sich ca, 30 Familien, die überwiegend aus Nordfrankreich (Picardie und Champagne), dem Languedoc, der Provence und dem Dauphiné stammten auf dem zugewiesenen Gebiet ansiedelten. Diese Familien erhielten die sogenannten "Lettres patentes", auch "Privilèges" genannt.
Unter den Ansiedlern waren Handwerker und Industrielle wie Färber, Wollkämmer, Wollspinner, Weber, Färber, Gerber, Strumpf-, Tuch-, Handschuh- und Hutmacher, Goldschmiede.
Zunächst baute man einfache Häuser, weil man hoffte, bald wieder zurückkehren zu können. Außerdem befürchtete man, mit dem Bau fester Häuser die Privilegien zu verlieren.

Die Hugenotten, die sich im Jahre 1687 im heutigen Friedrichsdorfer Stadtgebiet ansiedelten, nannten ihre Ansiedlung später zu Ehren des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg Friedrichsdorf.
1693 soll es schon 30 feste Häuser gegeben haben.

Die Hugenotten entwickelten eine bedeutende Strumpfindustrie. Mit dem sogenannten "Kannefaß", einer Mischung aus Wolle und Leinen, brachten sie eine neue Stoffart auf den Markt. Noch größeren Erfolg hatten sie mit der Herstellung von Flanell.

1837 wurde das bis dahin bestehenden Zuzugsverbot für Deutsche aufgehoben.

Hugenottenkirche Usingen

Infos/Tipps

Bad Karlshafen

Das 1699, durch den Landgrafen Karl für die hugenottischen Flüchtlinge gegründete Bad Karlshafen hat einen einzigartigen Stadtkern, der bis heute weitgehend erhalten wurde.

Das deutsche Hugenottenmuseum befindet sich im Deutschen Hugenotten-Zentrum und zeigt in einer ehemaligen Zigarrenfabrik die Geschichte der Hugenotten in Frankreich und in ihrer deutschen Zuflucht. Der Einfluß der Hugenotten wird mit Hilfe von neuen Erzeugnissen und Produktionsmethoden gezeigt. Zum Beispiel brachten die Hugenotten gewirkte Strümpfe und Glacé-Handschuhe mit und hatten als erste Knöpfe an ihrer Kleidung.
Im Deutschen Hugenotten-Zentrum sind auch das genealogische Forschungszentrum, die Hugenotten-Bibliothek und das Hugenotten-Archiv und Bildarchiv der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft zu finden. Hier können auch Nachforschungen über die eigene Herkunft angestellt werden.
www.hugenotten.de
www.hugenottenfest.de

Ehringshausen-Greifenthal und Greifenstein-Daubhausen

1686 : Ansiedlung von Hugenotten im geräumten Dorf Daubhausen durch Graf Wilhelm-Moritz zu Solms-Greifenstein
1690 : Entstehung des neuen Dorfes Greifenthal
12 km langer historischer Hugenotten-Wanderweg Greifenthal (Hugenottenbrunnen) - Daubhausen (Hugenottenkirche) - Welscher Born - Burg Greifenstein (Glockenmuseum, Burgmuseum mit Hugenottenstube, Schloßkirche)
Kochseminare zur Hugenottenküche in der Maison Rambaud in Greifenthal
www.maison-rambaud.de

"Französischer Dom" Berlin, Gendarmenmarkt
Französische Friedrichstadtkirche (Hugenottenkirche)
1701-1705 : Bau der Kirche als 1. öffentliches Gebäude in der "Friedrichstadt"
1904-1906 : Umbau der Kirche
1944 : Zerstörung von Kirche und Turm ("Dom")
1977 : Wiederaufbau

Gottesdienste in deutsch und französisch, Konzerte und Dauerausstellung zur Geschichte und zum Wiederaufbau des Französischen Doms
Hugenottenmuseum

Friedrichsdorf im Taunus

  • mit Philipp-Reis Museum und Stadtgeschichtlicher Sammlung (ein Raum ist den Hugenotten gewidmet)
  • Hugenottenkirche (erbaut 1834 - 1837)
  • Zwieback aus Friedrichsdorf (Tipp: Zwiebackbäckerei Praum)
  • Friedrichsdorf im Taunus

Kulturfernwanderweg Hugenotten- und Waldenserpfad

Der Kulturfernwanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad“ ist Teil einer Europäischen Kooperation von Partnern in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz unter dem Motto „Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser“.
www.hugenotten-waldenserpfad.eu


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